Dialogrunde Brustkrebs am 23. November 2015 in München

Eine Veranstaltung von Pfizer und Brustkrebs Deutschland e.V. in Kooperation mit Mamma Mia!Das Brustkrebsmagazin und der Ärzte Zeitung

Ansatzpunkte für bessere Versorgung

Im PresseClub München diskutierten Betroffene, Experten, Journalisten und Industrievertreter Ende November 2015 über Möglichkeiten, die Situation von Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs zu verbessern. Einigkeit herrschte darüber, dass die Öffentlichkeit besser für die spezifische Situation von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs sensibilisiert werden sollte.

v.l.n.r. Dr. Daniel Kalanovic, Senior Direktor Medizin bei Pfizer Oncology, Eva Schumacher-Wulf, Herausgeberin von „Mamma Mia!“, Andrea von Grolman, Patientin, Wolfgang van den Bergh, Chefredakteur der Ärzte Zeitung, Prof. Dr. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums und der Onkologischen Tagesklinik der Frauenklinik der Universität München, Renate Haidinger, 1. Vorsitzende des Vereins Brustkrebs Deutschland e.V., Dr. Johannes Ettl, Leiter der Gynäkologischen Tagesklinik der TU München im Klinikum rechts der Isar

Es sei wichtig, das weit verbreitete Unverständnis schrittweise abzubauen, betonte Eva Schumacher-Wulf, Herausgeberin des Brustkrebsmagazins „Mamma Mia!“.

Auch der Zugang zu qualitativ hochwertigen Informationen müsse verbessert werden. Ein erster Schritt wurde auch gleich unternommen: Der Chefredakteur der Ärzte Zeitung, Wolfgang van den Bergh, der die Veranstaltung moderierte, kündigte an, die Zusammenarbeit mit „Mamma Mia!“ künftig zu intensivieren.

In der Krebsforschung sieht Dr. Daniel Kalanovic, Senior Direktor Medizin bei Pfizer Oncology, weiterhin großen Bedarf für die Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten, die den spezifischen Bedürfnissen von metastasierten Patientinnen entgegenkommen. „Wir arbeiten eng mit Ärzten und Patienten zusammen und konzipieren gemeinsam Studien, in denen wir therapeutischen Fortschritt und wirklichen, spürbaren Patientennutzen belegen können.“

Ebenfalls auf medizinisch-fachlicher Ebene plädierte Dr. Johannes Ettl, Leiter der gynäkologischen Tagesklinik der TU München im Klinikum rechts der Isar, für eine stärkere Beachtung des metastasierten Brustkrebses innerhalb der Brustkrebszentren.

Weitere Qualitätsparameter gefordert

Zwar gebe es genug Brustkrebszentren, nicht alle seien aber auf metastasierte Patientinnen optimal eingestellt: „Ich denke, die Fachgesellschaften sollten für den fortgeschrittenen Brustkrebs mehr Qualitätsparameter definieren, die bei der Zertifizierung abgefragt werden können. Bisher beziehen sich 98 Prozent der Qualitätskriterien auf den frühen Brustkrebs.“

Eva Schumacher-Wulf erinnerte in diesem Zusammenhang auch an Defizite bei psychoonkologischen Angeboten: „Kassenpatienten warten in ländlichen Regionen teilweise sechs bis neun Monate auf einen Psychoonkologen, und es gibt Gegenden, in denen gibt es überhaupt keine Psychoonkologen mit Kassenzulassung. Das kann nicht sein.“

Zeitbedarf ist deutlich höher

Auf Versorgungsebene schließlich muss es darum gehen, Strukturen und Vergütungssysteme so zu gestalten, dass eine moderne, individualisierte Therapie auch in der Praxis umsetzbar wird. So ist bei den neuen, oft oralen Therapien der Zeitbedarf für das Arzt-Patienten-Gespräch deutlich höher als bei intravenösen Chemotherapien. „Das sollte sich auch in einer entsprechenden Vergütung der sprechenden Medizin niederschlagen“ so Ettl.

Aus Patientensicht seien außerdem konstante Ansprechpartner wünschenswert, betonte Renate Haidinger. Es komme noch zu oft zu Überweisungen aus versorgungspolitischen Gründen. Abhilfe schaffen könnte die neue ambulante, spezialfachärztliche Versorgung (ASV), bei der zumindest in der Onkologie Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte miteinander arbeiten. Ob dieses Modell funktioniert, muss sich zeigen.

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