Dialogrunde Brustkrebs am 19. April 2016 in Wiesbaden

Eine Veranstaltung von Pfizer und Brustkrebs Deutschland e.V. in Kooperation mit Mamma Mia!Das Brustkrebsmagazin und der Ärzte Zeitung

Mit Beteiligung der Hessischen Krebsgesellschaft e.V. und des Berufsverbands der Frauenärzte e.V.

Wenn Brustkrebs fortschreitet: Mehr Aufmerksamkeit für die vergessene Seite einer viel beachteten Erkrankung

Über Brustkrebs wird viel gesprochen. Doch wenn Brustkrebs fortschreitet und Metastasen streut, ändert sich dies schlagartig: Obwohl jede dritte Frau mit überwundenem frühen Brustkrebs statistisch davon betroffen ist, ist Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium quasi die „vergessene Seite“ einer viel beachteten Erkrankung.

Stefan Grüttner, Hessischer Minister für Soziales und Integration

„Metastasierter Brustkrebs und die besonderen Bedürfnisse der betroffenen Frauen sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Die Patientinnen fühlen sich mit ihren Sorgen und Nöten sehr oft allein gelassen“, sagte Renate Haidinger, 1. Vorsitzende des Vereins Brustkrebs Deutschland e.V., bei der „Dialogrunde Brustkrebs“, die am 19. April 2016 in Wiesbaden stattfand. Ziel der Veranstaltung war es, mehr öffentliche Beachtung für metastasierten Brustkrebs und für die Situation der Patientinnen zu erzielen. „Die betroffenen Frauen und die behandelnden Ärzte sind bei fortgeschrittenem Brustkrebs mit völlig anderen Herausforderungen konfrontiert als bei frühem Brustkrebs“, berichtete Professor Dr. Christian Jackisch, Chefarzt des Sana Klinikums für Gynäkologie und Geburtshilfe in Offenbach und Vorsitzender der Hessischen Krebsgesellschaft. Haben sich erst einmal Metastasen gebildet, sei Heilung nur in Ausnahmefällen möglich. Dann sei es Ziel der Therapie, das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern und das Leben der Patientinnen zu verlängern – „beides bei möglichst guter Lebensqualität“, erläuterte der Brustkrebsexperte. Stefan Grüttner, Hessischer Minister für Soziales und Integration, betonte, dass „Vorsorge das beste Mittel gegen den Krebs ist. Je früher eine Erkrankung oder deren Vorstufen erkannt werden, desto effizienter kann dagegen vorgegangen beziehungsweise können akute Erkrankungen komplett vermieden werden.“

Wenn es in der Öffentlichkeit um Brustkrebs geht, geht es meist um das frühe Erkrankungsstadium, in dem die meisten Patientinnen geheilt werden können. Über die Fälle, bei denen der Krebs in Form von Metastasen zurückkehrt und zumeist nicht mehr heilbar ist – etwa jede dritte Frau mit Brustkrebs erleidet einen Rückfall –, wird hingegen nur selten berichtet. Das spiegelt sich auch im direkten Umgang mit den Betroffenen wider: „Frauen mit metastasiertem Brustkrebs fühlen sich häufig isoliert. Es ist nicht einfach, über die Erkrankung zu sprechen, nicht selten ziehen sich Freunde zurück, weil sie nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Die Betroffenen wünschen sich in erster Linie mehr Aufklärung sowie Unterstützung im sozialen Umfeld“, sagte Eva Schumacher-Wulf, Herausgeberin des Brustkrebsmagazins „Mamma Mia!“.

„Wir möchten in der Öffentlichkeit und in den Fachkreisen mehr Sensibilität für dieses weitgehend vernachlässigte Krankheitsbild wecken und den Betroffenen ein Forum bieten, um die Bedeutung des Themas zu unterstreichen“, so Wolfgang van den Bergh, Chefredakteur der Ärzte Zeitung und Moderator der Veranstaltung. „Metastasierter Brustkrebs ist eine Erkrankung, in der es viel zu tun gibt. Aufmerksamkeit für und fundierte Informationen über die Erkrankung sind notwendig, damit das nicht in Vergessenheit gerät“, brachte er zentrale Ziele der Veranstaltungsreihe „Dialogrunde Brustkrebs: Wenn Brustkrebs fortschreitet“ auf den Punkt.

Versorgungssituation in Hessen

Dass die Situation von Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs auch bei der hessischen Landespolitik einen wichtigen Stellenwert hat, machten Stefan Grüttner, Hessischer Minister für Soziales und Integration (CDU), sowie Sigrid Erfurth, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag, deutlich. In seinem Grußwort betonte Grüttner, Krebs gar nicht erst entstehen zu lassen, sei ein wesentlicher gesundheitspolitischer Schwerpunkt der Hessischen Landesregierung. „Deswegen ist es unser Ziel, immer mehr Menschen vom Nutzen präventiver Maßnahmen zu überzeugen und sie anzureizen, das Vorsorgeangebot in Anspruch zu nehmen. Die inzwischen bundesweit aufgesetzte Kampagne des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration, der Stiftung Leben und der Hessischen Krebsgesellschaft „du bist kostbar“ steht in diesem Kontext. Neben der Förderung der Krebsprävention ist das Leben mit der Erkrankung ein zentrales Element dieser Kampagne.“

Sigrid Erfurth, stellvertretende Fraktionsvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag, machte auf das fehlende Wissen um die Erkrankung aufmerksam: „Im Vergleich zum frühen Brustkrebs haben wir noch einen langen Weg vor uns, bis wir über das Thema fortgeschrittener Brustkrebs so offen sprechen können. Dafür brauchen wir ein Bewusstsein für die Erkrankung und deren Auswirkungen auf die Patientinnen und ihre Angehörigen und Freunde. Und das geht nur durch Öffentlichkeit und Dialog.“

Erwartungen an die Therapie

Renate Haidinger hob die Erwartung an die Therapie hervor: „Patientinnen wollen eine Behandlung, die dazu führt, dass die Erkrankung möglichst lange nicht voranschreitet bei einer Therapie mit möglichst geringen Nebenwirkungen.“ Ein Stopp des Tumorwachstums bedeute für die Patientinnen auch ein Stück Lebensqualität, berichtete die Münchnerin aus ihrer Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Patientinnen. „Das ist elementar. Denn eine gute Lebensqualität ist die Voraussetzung, das eigene Leben selbstbestimmt leben, den Alltag bewältigen zu können“, ergänzte Eva Schumacher-Wulf. „Die betroffenen Frauen sind häufig berufstätig, haben Familie und bleiben oft über Jahre aktiver, integrierter Teil der Gesellschaft – ein Unterschied zu vielen anderen Krebserkrankungen.“

Aus medizinischer Sicht besteht laut Prof. Dr. Christian Jackisch (Offenbach) für viele Patientinnen Grund zur Hoffnung: „Die Medizin hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Wir können die Erkrankung heute mitunter über viele Jahre kontrollieren.“ Dennoch ist Jackisch zufolge eine Überprüfung der Therapie- und Versorgungsstandards nötig. „Neben dem ungebrochenen Bedarf nach neuen, innovativen Therapien ist es zum Beispiel von großer Bedeutung, dass alle Patientinnen nach den neuesten Erkenntnissen der Medizin und leitliniengerecht behandelt werden“, verdeutlicht der Gynäkologe. „Dafür ist es wichtig, eine breite und fundierte Wissensbasis innerhalb der Ärzteschaft sicherzustellen.“

Auch auf Patientenseite spiele der Zugang zu Informationen eine wichtige Rolle, so Schumacher-Wulf: „Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs äußern häufig den Wunsch, mehr Informationen zu ihrer speziellen Situation zu erhalten. Eine gute Wissensgrundlage ist Voraussetzung, um gemeinsam mit dem behandelnden Arzt ein maßgeschneidertes, individuelles Behandlungskonzept zu finden.“

Die Bedeutung von Kommunikation und Kooperation betonte auch Carl Janssen, Leiter von Pfizer Oncology Deutschland und einer der Geschäftsführer der Pfizer Pharma GmbH: „Partnerschaftliche Zusammenarbeit, fundierte Gesundheitsinformationen und kontinuierliche Dialoge sind zentrale Voraussetzungen, um den medizinischen Fortschritt weiter voranzutreiben und in die Praxis, zu den Patienten zu bringen“, berichtete der studierte Mediziner auch mit Blick auf seine Erfahrungen aus europäischen Nachbarländern.

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